mit Bachelor und Master Abschlüssen. Dozierende mit langjähriger Berufserfahrung vermitteln Dir die Techniken Zeichentrick, Computeranimation, Stop Motion und VFX

Dieses Jahr helfe ich beim Sounddesign von Number 1 mit, dem Bachelorfilm von Markus Graf und Simon Ott. Es geht dabei unter anderem um ein Autorennen in den 60er Jahren. Die beste Gelegenheit also, um tolle Rennwagensounds aufzutreiben!

Und wie es der Zufall so will, fährt der Vater von Naomi Erlich (ebenfalls im Abschlussjahr momentan) einen Kieft Bristol, Jahrgang 1953. Wir trafen uns letztes Wochenende mit Michael Erlich auf dem Flugplatz Interlaken, um dieses wunderschöne Auto zu verkabeln.

Die vorbereitung

Bevor man das Brummen des Motors aufnehmen kann, braucht es einiges an Vorbereitung: Sowohl das Equipment der Soundcrew (Thomas Gassmann und ich) wie auch der Rennwagen werden sanft und wohlbehalten an den Ort der Bestimmung gebracht. Am Flughafen Interlaken angekommen ging dann das Verkabeln los. Ein Stereomikrofon platzierten wir in der Motorhaube, um den Motor möglichst ohne Störgeräusche aufnehmen zu können. Auf die Abdeckung der Gangschaltung kam ein Kontaktmikrofon, welches das Schalten im Metall aufnehmen sollte. Hinter den Auspuff klebten wir vorsichtig ein kleines Funkmikrofon (so eins, was normalerweise für Schauspieler unter den Kleidern gedacht wäre). Es kriegte auch einen süssen winzigen felligen Windschutz gegen den Fahrtwind. Das Kabel befestigten wir mit medizinischem Tape, welches (hoffentlich) keine Rückstände hinterlässt.

Nur noch ein weiteres Stereomikrofon an einen selbstgemachten Griff schrauben, die jeweiligen Kabel einstöpseln, und bereit waren wir – nun aber erst mal tanken, denn wer rumkurven will, braucht Sprit!

Die aufnahmen

Jetzt ging es los mit Aufnehmen. Ich setzte mich mitsamt Aufnahmegerät nach Michael in den Wagen, dessen Türe nur noch pro forma vorhanden ist. Vorsichtiges Absenken in den Sitz ist also gefragt, und sich ja am richtigen Ort abstützen, um die leichte Aluminiumkarosserie nicht zu beschädigen! Mit aufröhrendem Motor düsen wir vom Flugplatz zurück nach Interlaken zur Tankstelle, ich darf gleich alle Mikrofone zusammen anhören. Klingt mächtig! An der Tankstelle sind wir für Touristen wie für Einheimische eine kleine Attraktion – “very very nice car”.

Zurück am Flugplatz dann übergebe ich das Equipment Thomas, der das handgehaltene Stereomikrofon an der Tonangel befestigt. Nun nahmen wir die Vorbeifahrten auf. Michael drehte den Zündschlüssel und liess den Motor ein paar mal aufheulen, bis er mit quietschenden Reifen davonbrauste. Vor der Abschrankung zum Flugplatz Süd, wo die Modellfliegerinteressierten ihrem Hobby nachgingen, machte er kehrt und raste an uns vorbei. Thomas schwenkte die Angel hinterher.

Nach den geraden Vorbeifahrten waren die Kurven an der Reihe. Michael kam in vollem Tempo angefahren, kurvte um Thomas und mich herum und fuhr mit qualmenden Reifen wieder weg. Schon gerade ein bisschen Adrenalin, wenn man so von einem Rennwagen umkurvt wird! Als Michael anhielt, ging Thomas mit der Tonangel näher an den Kühlergrill ran und signalisierte uns, still zu sein und zu warten. Der Motor sog noch eine kurze Weile weiter Luft an, dann fing es leise an zu knacken, als der Motor und die Karosserie sich langsam abkühlten und wieder entspannten. Ein wunderschönes Geräusch!

Anschliessend fuhr Thomas auch noch im Wagen mit, um einige Mitfahrten aufzunehmen. Schliesslich durfte auch ich noch etwas mit der Tonangel spielen und mein Glück bei einigen Vorbeifahrten versuchen. Es war schwieriger als gedacht dem Rennwagen zu folgen und die Tonangel so hochzuheben ging auch ganz schön in die Schultern… Kein Workout mehr nötig.
Als letztes nahmen wir noch auf, wie Michael die Motorhaube abschraubte und entfernte, und wie er sie wieder auf dem Auto anbrachte; kleine Geräusche mit grosser Wirkung.
Nach etwa drei Stunden hatten wir alles was wir brauchten auf Band – that’s a wrap!

und so geht es weiter

Jetzt geht es los mit Sounds durchhören, ordnen, beschriften und schliesslich natürlich editieren. Darauf freue ich mich am meisten, zu sehen wie der Film zu einem Ganzen zusammenkommt! Hier noch einen kleinen Vorgeschmack, wie dieser Wagen klingt:

Number 1 und alle anderen Abschlussfilme werden an der Premiere am 27.6.2018 gezeigt. Hier geht es zu mehr Infos zu allem rund um den Studiengang Animation an der Hochschule Luzern.

 

Text: Rhoda Berger
Bilder: Thomas Gassmann und Rhoda Berger
Video: Thomas Gassmann und Rhoda Berger

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23. May 2018

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