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Internationales Trickfilmfestival Stuttgart

FMX

  1. – 29. April 2018

Eine Postkarte von Christian Gasser

Seine Anfänge seien einfach, logisch und folgerichtig gewesen, erzählte ein strahlender Ernest Yale und zeigte das Bild eines kleinen Buben vor einem Commodore-Computer: Sein strenger Vater habe alles verboten, was mit Computer und vor allem Games zu tun hatte. Als seine Schule die ersten Computer anschaffte, habe er rasch begriffen, wie diese funktionieren – und er habe als erstes seine eigenen “Pacman”- und “Space Invaders”-Variationen programmieren. Sein grösstes Vergnügen, fuhr Yale in seiner Präsentation “NINJAGO The Ride – Become a Ninja” (https://fmx.de/program2018/event/12687) fort, sei es aber nicht gewesen, selber zu spielen, sondern seinen Freunden beim Spielen zuzuschauen und die Spiele ihren Wünschen gemäss zu optimieren …

Heute realisiert der Gründer und CEO der kleinen (“only 200 employees”) Firma Triotech (Montréal) “interactive dark rides” für Vergnügungsparks – Geister- und andere Bahnen durch virtuelle Erlebniswelten, in denen die Besucher nicht nur von Figuren und Effekten erschreckt und bedroht wird, sondern sich wehren kann, indem man diese mit Kanonen abknallen oder mit Handbewegungen vertreiben oder in ihre Bestandteile auflösen kann.

 

Blasters vs. Handbewegungen

Blasters, so nennt Yale die VR-Kanonen, seien ein Problem, da Kinder diese als erstes zertrümmern. Deshalb entwickelte er im Auftrag von Lego für “NINJAGO The Ride” die notwendige Software, um mit den angreifenden Ninjagos mittels Handbewegungen zu interagieren, sprich: die Ninjagos mit kungfuähnlichen Bewegungen zu bekämpfen …

 


NINJAGO The Ride ©Legoland/Triotech

 

Das sieht ziemlich dämlich aus, aber Yale wies stolz auf die strahlenden Gesichter hin, die die Kids und ihre Eltern auf den Filmbeispielen zur Schau tragen – es scheint echt Spass zu machen.

Und als der nette Herr Yale weiter und weiter erzählt vom Potenzial dieser virtuellen Vergnügungs- und Themenparkbahnen und dabei alle Register zieht des FMX-typischen Edu-Info-Mercials, dieser Mischung aus technischen Informationen, Visionen und PR in eigener Sache, muss ich sanft weggedämmert sein …

 

Ninjaglobis

… und sass plötzlich wieder im Zugabteil, in welchem ich ein paar Stunden zuvor mit Amélie, Louis und Kilian nach Stuttgart gebummelt war. Wir schwärmten gerade über Jürgens schmucke Scheiterbeige für unseren FMX-Stand, als vier Globis mit Hellebarden Armbrüsten und Spätzlekanonen den Waggon enterten. Wir, nicht faul, stellten uns dem Kampf, und mit dynamischen Handbewegungen …–

Ich erspare Euch die Details dieses spektakulären, an Special- und Visual-Effects reichen Kampfs, es würde vermutlich eh niemand aus dieser Szene eine Bahn bauen wollen, nicht einmal für die Lozärner Määss.

Jedenfalls fuhren wir gerade am Rheinfall vorbei, als Kilian das Fenster aufriss und den Waggon flutete. Die Globis wurden weggespült, wir auch, und um Atem ringend fand ich mich auf dem Grund des Ozeans wieder, zwischen Rochen, Haien und kopulierenden, nein, kämpfenden Tintenfischen.

 

Immersion ohne Sauerstoffflaschen

Virtuelle Unterwasserwelten hätten viele Vorteile, erklärte eine Stimme: Man müsse keine Aquarien mehr putzen, keine Fensterscheiben reinigen, man brauche weder Tierfutter noch Tierärzte und erspare sich alle Konflikte mit Tierschützern.

Offenbar hatte die nächste Präsentation bereits begonnen: “National Geographic Encounter: Ocean Odyssey” von Thilo Ewers (https://fmx.de/program2018/event/12730), dessen Firma Pixomondo im Auftrag der amerikanischen Naturzeitschrift in der alten Druckerei der New York Times beim Times Square eine virtuelle Reise in zehn Räumen durch den Ozean inszeniert.

Ocean Odyssey ©National Geographics

Man könne, betonte Thilo Ewers immer wieder, mit den Fischen interagieren – auf der Leinwand sahen wir Kinder, die auf die am Boden liegenden Rochen zu hüpfen versuchten. “You can interact with” – ein FMX-Mantra. “You can interact with”, die Interaktion als Selbstzweck, aber selten wird begründet, was diese Interaktion tatsächlich bringt.

Diese Unterwasserwelt bietet die totale Immersion im Ozean – allerdings auf Kosten der Realität, echter Fische. Die Frage, was wichtiger ist – Immersion oder echte Fische – wird nicht aufgeworfen. Diese “Ocean Odyssey” würde ich aber sofort besuchen, das ist klar. Meine Kinder wären jedoch frustriert, dass tagsüber keine Haie auftauchen – man wolle schliesslich Kinder nicht erschrecken. Dabei finden Kinder doch nichts cooler als Haie …

Christian Gasser

 

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26. April 2018

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