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Ein Monat ist vergangen seit ich die Studierenden des Abschlussjahrganges zum letzten Mal zum Gespräch getroffen habe. Wer jetzt aber meint, dass sich aufgrund der Festtage und der allgemeinen Winterferienstimmung wenig getan hat seit dem letzten Treffen, der irrt. Die Fortschritte, die die Abschlussprojekte innert der letzten vier Wochen gemacht haben, sind immens. Jetzt gibt es kein Zurück mehr, die Projekte sind bereits voll in Fahrt. Ich habe mich erneut mit den Studierenden getroffen und ihnen auf den Zahn gefühlt.

Luzia Schifferle verdreht die Augen. Es bleibt bei diesem Kommentar zum Baustellenlärm, der seit Monaten durch den Bau des neuen Gebäudetrakts durch die Animationsabteilung der Viscosi schallt, bleiben. Viel lieber erzählt sie mir von anderen akustischen Elementen, die sie und Tobias Speiser bei der Arbeit des Abschlussfilmes «Barbarian» (Arbeitstitel) über einen Wikinger in der Mid-Life-Crisis auf Trab halten: «Gerade haben wir uns mit zwei Musikern getroffen, die beide an einer Zusammenarbeit interessiert wären».

Die Filmemacher müssen sich nun entscheiden, mit welchem der Komponisten sie die Arbeit aufnehmen wollen. «Wir können uns auch gut vorstellen, mit beiden Musikern zusammenzuarbeiten», erklärt mir Luzia. «Unser Film besteht im Prinzip aus zwei Teilen, die beide sehr unterschiedlich in der Sprache sind». Da würde es sich anbieten, auch musikalisch zwei verschiedene Konzepte zu verfolgen – wobei man schon wolle, dass das dann am Ende wie aus einem Guss klinge, weshalb die Komponisten eng zusammenarbeiten sollen.

Dass die Wikingerkomödie nicht nur lustig, sondern auch düster und brutal sein solle, haben mir Luzia und Tobias beim letzten Treffen erklärt. Daran habe sich nichts geändert, beteuern die Beiden. «Wir glauben, dass der Film aber trotzdem auch für ein jüngeres Publikum tauglich ist», hält Tobias fest. «Die Gewaltszenen sind sehr cartoony und um die brutalen Dinge schneiden wir geschickt herum.» Überhaupt sei ihnen erst durch die Arbeit am Film so richtig bewusst geworden, wie man mit Kamera-Einstellungen und -Winkeln spielen könne. «Dieses Wissen werden wir jetzt auch nutzen», verspricht Tobias.

Allmählich scheint den Studierenden bewusst zu werden, dass es jetzt ernst gilt. Die Nervosität ist spürbar, als ich mich mit Aira Joana, Pirmin Bieri, Nicolas Roth und Luca Struchen treffe. Ihr 2D-3D-Hybride «Concrete» (Arbeitstitel) erzählt von einem Reisenden, der in einem Hochhaus auf einem zweidimensionalen Fuchs trifft. Ein ambitioniertes Projekt, das sicher auch eine hohe Fallhöhe birgt. Doch Pirmin lässt sich davon nicht beirren – er sieht es realistisch: «Natürlich steht viel auf dem Spiel. Aber es bringt doch nichts, wenn wir uns einen zusätzlichen Stress machen.» Pirmin ist zuständig für die Einhaltung des Zeitplans und bildet gewissermassen den Ruhepol in der Gruppe. Das haben auch seine Gruppenmitglieder bemerkt. «Wenn sich Pirmin keine Sorgen macht, müssen wir das auch nicht», hat Aira beschlossen.

Es gibt auch gar keine Indizien, dass sich die vier Filmemacher Sorgen machen müssten. «Der Zeitplan stimmt», verkündet Pirmin stolz. Und das, obwohl sie seit dem letzten Treffen einige Szenen zum Film hinzugefügt haben. «Wir hatten das Gefühl, die Beziehung zwischen dem Reisenden und dem Fuchs an der Wand war noch nicht stark genug». Daher habe man sich entschlossen, diese mit einigen zusätzlichen Szenen auszubauen, ohne die Story selber gross umzustellen. Für Aira Joana, die einzige 2D-Animatorin der Gruppe, bedeutet das mehr Arbeit – doch das dürfte ihr gelegen kommen, schliesslich hat sie sich beim letzten Gespräch noch Gedanken gemacht, ob sie vielleicht nicht genug zu tun hätte. Nicolas versichert mir lachend, dass man diese zusätzlichen Szenen jedenfalls nicht um Airas Willen hinzugefügt habe.

Auch andere offenen Fragen sind bereits geklärt: «Wir wissen bereits, wer für uns das Sounddesign übernehmen wird», verkündet Aira. Moritz Flachsmann hat ebenfalls in Luzern Animation studiert – Aira und er lernten sich bei der Arbeit am Kurzfilm «Coyote» (Lorenz Wunderle, 2018) kennen. Dort habe sie auch erstmals mit der Komponistin Rahel Zimmermann zusammengearbeitet, die nun für «Concrete» die Musik schreiben wird. «Sie war sofort interessiert, als ich ihr von unserem Film erzählt habe», erinnert sich Aira Joana. Die Animatorin wird fast ein bisschen euphorisch, als sie die erste Reaktion der Musikerin zitiert: «Ein Hochhaus im Sumpf? Mit einem Fuchs auf den Wänden? Das muss ich machen!»

Schon zum zweiten Mal arbeiten Sarah Rothenberger und Estelle Gattlen zusammen. Nach einem kurzen Clip für Cartoon Network ist «Braises» (Arbeitstitel) nun ihr erstes längeres gemeinsames Projekt. «Dieser Film geht mehr in die Tiefe als unser Clip für Cartoon Network», findet Estelle. Deshalb gestalte sich auch die Arbeit schwieriger.​​ «Wir möchten das Publikum mit Eindrücken und Gefühlen leiten», erzählt sie mir. Der Film habe deshalb keine strenge Erzählstruktur, was eine zusätzliche Herausforderung für die beiden Filmemacherinnen barg: «Wir haben inzwischen bereits 13 verschiedene Variationen des Storyboards erstellt.»

Der Film erzählt die Geschichte einer jungen Frau, die im Begriff ist, ihren Heimatort zu verlassen. Obwohl sie ihrer Entscheidung zunächst sicher war, überkommen sie als sie auf den Bus wartet allmählich Zweifel. «Braises» wird auf drei Ebenen erzählt – dem real Erlebten der Protagonistin, ihren Erinnerungen und Erwartungen, sowie ihrer Gefühlswelt. Letztere wird durch einen Tanz zweier Figuren dargestellt. Nicht zuletzt deshalb haben sich Sarah und Estelle für die Zusammenarbeit mit Christoph Scherbaum, einem gelernten Theatermusiker, entschieden. «Uns gefiel neben seiner Erfahrung in diesem Bereich auch die Bereitschaft, moderner und weniger orchestral zu arbeiten», begründet Sarah diese Zusammenarbeit. Um ein Verständnis für die Bewegungen dieser Tanzsequenzen zu bekommen, arbeiten die beiden Regisseurinnen mit befreundeten Tänzerinnen aus der Romandie zusammen. Der Film soll auf französisch gehalten sein. «Wir werden auch die Stimmen im Wallis aufnehmen», erzählt mir Estelle. ​Der Film selber soll keinen spezifischen Bezug zum Wallis haben. «Es geht vielmehr darum, dem Zuschauer dieses Gefühl des Aufbruchs und der Unsicherheit zu vermitteln» erzählt Sarah. «Der Ort, wo es sich abspielt, ist dabei zweitrangig».

Die beiden Filmemacherinnen sind ein gut eingespieltes Team. «Wir kennen uns zu gut, um einander mit falscher Höflichkeit zu begegnen», erklärt mir Sarah nüchtern, und Estelle ergänzt: «Uns geht es in erster Linie darum, dass der Film gut wird». Da nehme man sich selbst zurück und könne auch mal einen besseren Gegenvorschlag akzeptieren. «Wir haben zum Glück die Egos von Kartoffeln», sagt Estelle. Die Stimmung ist entspannt – manchmal sei es fast ein bisschen zu lustig, findet Sarah. Dann erfordere es viel Disziplin, den Fokus nicht zu verlieren. «Bisher sind wir aber noch gut auf Kurs».

Text: Owley Samter
Bilder: Leoni Dietrich

28. January 2018

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