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Das Jahr neigt sich dem Ende zu – 2018 rückt in grossen Schritten näher. Und das bedeutet auch, dass die Bachelorprojekte der Studierenden nun definitiv in die heisse Phase kommen.

Ich habe mich mit drei Gruppen getroffen, um ihnen auf den Zahn zu fühlen und herauszufinden, was für Filme uns im kommenden Sommer erwarten.

Im Abschlussprojekt «Barbarian» (Arbeitstitel) von Luzia Schifferle und Tobias Speiser steckt ein Wikingerhäuptling in der Sinneskrise. Doch wer jetzt ein schwermütiges Drama erwartet, wird enttäuscht. «Wir hatten Bock, einen launigen Abschlussfilm mit einer kurzweiligen, simplen Story zu machen», erzählt mir Tobias. Bereits im Sommer habe man gemeinsam erste Ideen erarbeitet und sich letzten Endes für die Geschichte des Wikingerhäuptlings entschieden, die als 3D-Animationsfilm umgesetzt werden soll.

Seit dem Sommer arbeiten Luzia und Tobias nun also an dieser Story. «Viel hat sich seit dem ersten Pitch nicht verändert», hält Luzia fest. Einzig bei der Brutalität habe man noch etwas zugelegt. «Am Anfang waren wir fast ein bisschen unschuldig», fügt Tobias lachend an, «wir wollten einen familienfreundlichen Film machen». Das habe ihnen aber eigentlich nicht wirklich entsprochen, und so habe man sich für eine härtere Gangart entschieden. Die beiden Filmemacher versprechen mir düstere Bilder und haufenweise abgetrennte Körperteile.

«Barbarian» ist nicht die erste Zusammenarbeit der Beiden, die bereits mehrere Projekte gemeinsam umgesetzt haben. «Wir haben dieselben Vorstellungen und ergänzen uns prima» erklärt Luzia. Dass man auch den Abschlussfilm gemeinsam mache, sei da für beide völlig selbstverständlich gewesen. Die beiden verbindet auch, dass sie nicht in Luzern leben. Tobias wohnt im Baselland und Luzia ist im Aargau zuhause. Das sei aber unproblematisch, erklären mir die beiden Filmemacher. Für Treffen könne man sich problemlos auch in Olten verabreden. Trotzdem kommen die Beiden so oft es geht nach Luzern – und sei es nur, um sich mit anderen Studierenden auszutauschen. «Der Input von Aussen ist uns gerade jetzt sehr wichtig», lässt mich Tobias wissen.

«Wir haben vermutlich die schrägste Art und Weise gefunden, ein Filmprojekt anzugehen», sagt Pirmin Bieri und lacht. Pirmin ist einer der vier Regisseure von «Concrete» (Arbeitstitel). Zusammen mit Aira Joana, Nicolas Roth und Luca Struchen zeichnet er sich für die Umsetzung dieses Projekts verantwortlich. «Concrete» entsprang einem Konzept von Luca. «Ich hatte anfangs nur die Idee eines Hochhauses, in dem irgendetwas passieren sollte – mehr nicht.» Für seine drei Kollegen reichte das aber bereits, um sie zu überzeugen, sich ihm anzuschliessen und gemeinsam eine richtige Story zu erarbeiten. «Uns war wichtig, dass unser Film eine Geschichte erzählen soll, mit der wir uns alle identifizieren können», schildert Aira Joana. Man habe sich deshalb entschieden, Themen wie Rastlosigkeit und die Suche nach seinem Platz in der Welt aufzugreifen.

Und so dreht sich «Concrete» um einen namenlosen Protagonisten, der ziellos durchs Land irrt. In einem Hochhaus trifft er auf einen Fuchs, der auf der Wand lebt und mit dem er sich anfreundet. Der Film wird als 3D-Projekt umgesetzt, mit einer Ausnahme: Der Fuchs wird 2D animiert. Hierfür ist Aira zuständig, die als einziges Gruppenmitglied eine 2D-Ausbildung mitbringt. «Ich habe immer wieder Angst, dass ich mit dem Fuchs allein nicht genug zu tun haben werde», erzählt Aira lachend. Dass das Wunschdenken ist, weiss sie selber – mit Storyboard, Sounddesign und Compositing wird sie auch so genug zu tun haben. Schliesslich soll «Concrete» nach momentanem Stand etwas mehr als fünf Minuten lang werden. Die langen Einstellungen haben durchaus ihren Zweck. «Wir möchten einen atmosphärischen Film machen», erklärt Nicolas, «der von seiner Stimmung lebt».

Eine Vierergruppe birgt ein erhöhtes Konfliktpotential, könnte man denken. Doch die Filmemacher winken ab. «Die Zusammenarbeit ist sehr harmonisch», erzählt Luca. Man habe dieselben Ansprüche, weshalb die Diskussionen immer konstruktiv seien. Und Pirmin ergänzt: «Eine grössere Gruppe lässt auch eine grössere Spezialisierung zu».

Das Erwachsenwerden habe sie vor grosse Herausforderungen gestellt, erinnert sich Estelle Gattlen. Auf einen Schlag hätten all ihre Freunde an einem anderen Punkt im Leben gestanden als sie, die sich dann plötzlich ganz allein vorgekommen sei. Diese Erfahrung wollte sie in ihrem Abschlussprojekt «Braise» (Arbeitstitel) verarbeiten, das sich mit einer jungen Frau, die sich mit ebendiesen Fragen konfrontiert sieht, befasst. Erinnerungen, Wünsche und Zukunftsängste verschwimmen immer mehr und erschweren ihr die Entscheidung. Estelle setzt ihre Idee aber nicht alleine um: Schon früh stiess mit Sarah Rothenberger die zweite Filmemacherin zu diesem Projekt. Sarah hatte zunächst eine eigene Idee verfolgt, dann jedoch beschlossen, sich Estelle anzuschliessen. «Ich kenne diese Gefühle nur zu gut», erklärt sie mir im Gespräch. Aber auch die Zusammenarbeit mit ihrer Kollegin, mit der sie bereits zuvor einige Projekte verwirklicht hat, habe sie gereizt.

«Braise» soll als analoger 2D-Animationsfilm umgesetzt werden, wobei sich der Zeichenstil dem Gemütszustand der Protagonistin anpassen wird. «Ursprünglich wollte ich direkt auf Papier zeichnen», erzählt Estelle, doch Sarah habe sie davon überzeugt, die Animation zunächst digital zu machen, und erst dann von Hand nachzuzeichnen. «Wenn wir es uns schon bei der Planung ein wenig einfacher machen können, ist das sicher nicht falsch», ist Sarah überzeugt.

Aktuell sitzen Estelle und Sarah am Storyboard des Films, das ihnen zusätzliche Schwierigkeiten beschert. «Unsere Geschichte ist noch nicht definitiv», erzählt mir Estelle, «und mit dem Zeichnen der Storyboards verändert sie sich immer wieder.» Doch schon bald müssen sich die Regisseurinnen von «Braise» für eine Version ihrer Geschichte entscheiden – und diese dann auch umsetzen. Doch mir scheint, dass die Beiden bereits eine genaue Vorstellung haben, wie ihre Tage während des letzten Semesters aussehen werden. «Viel Weinen – und noch viel mehr Sean Paul», sagt Sarah und lacht.

Bilder: Leoni Dietrich

18. Dezember 2017

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